2006. Januar

 

Zu Besuch vor Weihnachten in Temeswar

Schon während meiner Fahrt zur Weihnachtsfeier unserer Freunde vom Demokratischen Forum der Deutschen in Temeswar (DFDT) konnte ich hören was mich dort erwartet. Radio Temeswar sendet jeden Tag von 12.00 bis 13.00 Uhr unserer Zeit (in Temeswar ist es eine Stunde später) auf der Frequenz MW 630 kHz in Deutscher Sprache.
Der Weihnachtsmarkt im AMG-Haus ist seit 11.00 Uhr geöffnet, um 15.00 Uhr beginnt das Winter- und Adventfest mit Handarbeits-, Bastel- und Backwettbewerb sowie anschließender Tombola. Die Weihnachtslieder werden vom Chor „Liederkranz” (aha, unsere Freunde...) dargeboten.
An den Grenzübergängen Makó (Ungarn) und Cenad (Rumänien) keine Wartezeit, keine Zollkontrolle und kein Häuschen zum Kauf einer Straßenvignette zur Benutzung der Straße nach Temeswar, die von der EU bezahlt wurde. Damit 2 Euro gespart (4 Euro kostet es für die, die nicht Bescheid wissen...), na so etwas. Sollte es jetzt hier am Ende noch korrekt zugehen?
Rechtzeitige (!) Ankunft im AMGHaus, Herr Finta war beauftragt, auf mich zu warten, was gut war, so konnten wir rechtzeitig vor Beginn der Feier die süßen und teilweise auch flüssigen Aufmerksamkeiten in Form von u.a. ungarischem Wein und Nürnberger Lebkuchen, die ich im Auftrag des IDV mitbringen durfte, ausladen.
„Unser Raimund” war da und sagte, dass er schon meine Stimme gehört hatte und damit wusste, dass jemand vom IDV da sei, worüber er sich sehr freue, weil eben der IDV für ihn eine besondere Bedeutung habe (siehe dazu „Raimund”, auf der Seite 12).
Der Festsaal war mit weit über 150 Leuten gefüllt und das Programm verlief, wie vom Radiosender angekündigt. Den ausgestellten Bastelarbeiten, Handarbeiten und selbst Gebackenen konnte man die Liebe, mit der sie gemacht wurden, förmlich ansehen.
Gut, nicht in der Jury gewesen zu sein, die diese Meisterwerke bewerten und e i n o r d n e n musste.
Frau Dr. Annemarie P o d i p n y - Hehn, Vorsitzende des DFDT, begrüßte die Gäste, so auch mich als Vertreter des IDV und gab mir Gelegenheit, unseren Verein kurz den Anwesenden vorzustellen, die ihn noch nicht kannten sowie die Grüße, Weihnachts- und Neujahrswünsche unserer Mitglieder den Anwesenden zu übermitteln.
Unsere Freunde vom Liederkranz, unter Leitung von Frau Finta, waren, wie zu erwarten, einfach gut, wobei Raimunds Solodarbietungen (so eine Stimme!) wieder einmalig waren.
Frau Paul, die für den Pavillon ihre besten Rezepte verrät, konnte ich als kleines Dankeschön ein originelles Kochbüchlein aus meiner Bayerischen Heimat übergeben.
Anschließend trafen wir uns in kleinerem Kreis zu einem zwanglosen Plausch. Raimund, der sich in der Runde sichtlich wohl fühlte und sogar ein Gläschen Wein trank, freute sich dass er zu uns gehöre und wir einigten uns darauf, dass er nun einmal unser Raimund sei. Wir besprachen wie es musikalisch mit ihm weiter weitergehen solle. Es war sehr gemütlich und wir gingen in bester Stimmung, nochmaligem Austausch von Weihnachts- und Neujahrswünschen und der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen in größerer Runde auseinender.
Am nächsten späten Nachmittag fuhr ich bei schönem Wetter, aber auch Nebel, durch einige „Deutsche Dörfer”, wie dem Dorf Gottlob, in Richtung Ungarn.
Die Ausreise aus Rumänien ging schnell und die Grenzbeamten waren freundlich wie nie.
Als ich mich der ungarischen Grenzkontrolle näherte, sah ich wie ein Mann aus einem kleinen Häuschen auf mein Auto zustürmte und, als er sein Ziel erreichte, bemängelte, dass ich keine rumänische Straßenvignette hätte.
„Was?”, so fragte ich ihn, als ich ihn erkannte, „Muss man eine haben und das bei der Ausreise?” Also wenn ich wieder komme, dann, nicht jetzt, werde ich eine kaufen. Als er merkte, dass ich mich nicht umstimmen lasse, gab er auf. Ob er sich erinnert hat, dass ich noch 2 Euro (siehe oben) bei ihm gut hatte?

Bei der ungarischen Grenzkontrolle sah ich im Rückspiegel, dass der rumänische Vignetten-Kontrolleur offenbar sein Herz an deutsche und österreichische Autos verloren hat, denn nur bei diesen stürmte er aus seinem Häuschen. Aber, denke ich, wenn nicht einmal dieser Versuch stattgefunden hätte, würde mir doch irgendwie etwas fehlen...
Rudi Kastner