2006. Januar

 

Freu(n)de aus Temesvár

Es war ein schöner sonniger Vormittag, als unsere Freunde aus Temesvár bei unserem Vorsitzenden Rudi Kastner frühstückten. Die Laune war schon 5 Minuten nach der Ankunft bestens. Rudi hatte schon alles für das Frühstück vorbereitet; Würste, Käse, Marmelade, Kaffe und Tee, alles stand bald auf dem Tisch. Trotzdem haben die Leute vor dem Frühstück ein anderes Vergnügen gefunden: sie haben Nüsse und Walnüsse im Garten gesammelt - ist das vielleicht der legendäre Fleiß der Schwaben? So ist es kein Wunder, dass nach der fleißigen Arbeit das Frühstück so gut schmeckte. Der Garten war laut vom Plaudern, alle schienen sich sehr wohl zu fühlen. So hab ich auch zwei liebe Gesprächspartnerinnen, Frau Luise Finta, die Hauptperson der Tanzgruppe, und Frau Anni Mircov Ballauer, eines der ältesten Mitglieder, gefunden, die mir gerne über den Verein Auskunft gaben.
V.M.: Wie heißt Ihre Gruppe? Wann wurde sie gegründet?
L.F.: Unsere Gruppe ist der Temesvárer Liederkranz, gehört zum Demokratischen Forum der Deutschen in Temesvár. In den Liederkranz ist unsere Tanzgruppe, der Bunte Herbstreigen, eingegliedert. Wir sind zwar eine Tanzgruppe, aber wir singen auch, es gibt sogar einige, die gar nicht tanzen, nur singen. Der Liederkranz wird im November 12, die Tanzgruppe 9 Jahre alt.
V.M.: Dann gibt es sicher ein großes Fest...
A.M.B.: Ja, ja. Am 19. November feiern wir das Jubiläum. Vom Forum bekommen wir eine große Torte und werden wir von unserer Vorsitzenden Annamarie Podlipny Hehn begrüßt.
V.M.: Wo wird gefeiert? Haben Sie ein Zentrum?
A.M.B.: Wir haben ein Kulturhaus, das Deutsche Haus von Temesvár, das ist das Zentrum, aber es gibt noch ein Altenheim mit anderer Administration. Beide sind sehr schön gepflegt.
V.M.: Dann haben Sie wahrscheinlich auch andere Feste bzw. Veranstaltungen.
L.F.: Ja, wir haben viele Veranstaltungen in unserem Hause. Wir haben jedes Jahr ein Mundarttreffen in Temesvár, wo nur Schwäbisch gesprochen wird. Dann wird auch ein Theaterstück, dieses Jahr der Meister Jakob und seine Kinder von Adam Müller Guttenbrunn aufgeführt. Außerdem haben wir z. B. zweimal in der Woche Vorträge, montags auf Deutsch, dienstags auf Rumänisch. Jede Woche haben wir einen Video- oder Filmnachmittag, wo die Interessenten Dokumentarfilme anschauen können.
V.M.: Wahrscheinlich halten Sie dann Ihre Proben auch in Ihrem Kulturhaus. Wie oft übt man, um so schön tanzen und singen zu können? Wer wählt die Stücke aus?
A.M.B.: Wir haben dienstags anderthalb Stunden Probe. Unser lieber Professor Arthur Funk (er ist in der Philharmonie) lehrt uns die Lieder, die von Frau Finta ausgewählt und dann der Gruppe präsentiert werden. Dann entscheiden wir gemeinsam, welche uns besser gefallen. Nach der Chorprobe kommt dann die Tanzprobe, die von Herrn Finta auf dem Klavier begleitet wird.
V.M.: Wer macht die Choreographie der Tänze?
L.F.: Anni Birnstiel ist unsere Choreographin. Bereits ihr Vater hat Lieder und Tänze gesammelt, dieser Tradition folgt auch sie seit ihrer Kindheit. Also, alle unsere Tänze und Lieder sind authentisch, genauso wie unsere Tracht. Auch unsere Kopftücher, die wir am Anfang gar nicht tragen wollten, sind obligatorisch. So mussten wir uns daran gewöhnen.
V.M.: Wieviel Paare tanzen in der Gruppe? Wie alt sind sie?
L.F.: Wir sind insgesamt 20 Leute, 8 fixe Paare in der Gruppe. Leider gibt es deutlich weniger Männer, das ist ein Nachteil der Tanzgruppe. Die Jüngste ist Anka Finta mit 39, die Ältesten sind über 80. Eine davon ist Frau Ballauer, die andere Frau ist leider nicht mehr so gut zu Fuß, daher konnte sie leider nicht mitkommen.
V.M.: Sie sehen so gesund aus, Frau Ballauer. Haben Sie vielleicht ein Geheimnis, wie man sich so gut halten kann?
A.M.B.: Es gibt kein Geheimnis. Ich lache viel, tanze viel und bin immer in Bewegung. Ich halte es für das Wichtigste, immer gut gelaunt zu sein.
Viktoria Molnar

Frau Ballauer und Frau Finta: „Immer nur gut gelaunt sein.”