2006. Januar

 

Alte und Jugendliche

Im Zeichen der Heimatforschung machte eine begeisterte Gruppe von Deutsch lernenden Schülern aus Soltvadkert ihre Herbstausflüge. Ihr Ziel war das Kennenlernen der ungarndeutschen Siedlungen im Komitat Bács-Kiskun. Der Förderer dieser Reisen war die Stiftung für Allgemeine Bildung Bács-Kiskun (Megyei Közoktatásért Alapítvány). Den Höhepunkt bildete der dritte Ausflug der Reihe, nach Hajosch/Hajós und Nadwar/Nemesnádudvar, die von der Kleinstadt Soltvadkert etwa 40-50 km liegen. In Hajosch wurde die 30 Personen zählende Gruppe von der Ortshistorikerin und Lehrerin, Maria Schön empfangen. Der mit echten schwäbischen Ausdrücken gewürzte Führung im Heimatmuseum folgte eine Kostprobe eines selbstgebackenen Kuchens. Der Hajoscher Sängerkreis brachte den Jugendlichen schwäbische Volkslieder bei, natürlich mit Ziehharmonika-Begleitung. Die Schüler wurden dann von dem naiven Maler des Dorfes, Paul Umenhoffer, empfangen, der den Hajoscher Alltag auf seinen Werke gestaltet. Der Besuch in der katholischen Kirche war auch für die Protestanten interessant: Frau Schön erzählte über die Wunder und die Geschichte der Marienstatue, die von den ersten Ansiedlern im 18. Jh. aus der alten Heimat mitgebracht wurde. Nach dem Mittagessen setzten sie das Programm im Nachbardorf Nadwar fort. Hier wurde die Gruppe von Andrea Bakonyi, Leiterin der Ungarndeutschen Büro in Frankenstadt/Baja, empfangen und geführt. Der erste Punkt war hier die Besichtigung einer Privatsammlung von alten Gebrauchsmitteln und Puppen in Volkstracht. Der Friedhof des Dorfes ist auf einem Hügel, der für die Soltvadkerter wie ein „Berg” wirkte. Hier wurde der 1945 verschleppten und in der Sowjetunion gestorbenen Schwaben gedacht, deren Namen auf einer steinernen Tafel zu lesen sind. Das Programm endete mit einem kurzen Mundart-Unterricht und Gespräch.
Was ist das Ergebnis dieser Heimatforschung? Die Kinder haben Erfahrungen gesammelt, was Multikulturalität und Minderheiten bedeuten, und wie diese heutzutage zum Ausdruck kommen. Das Lehrprogramm wird in der Soltvadkerter Schule mit Vorträgen und deutschsprachigen Filmen im Frühling fortgesetzt.
Lajos Káposzta