2006. Januar

 

Ungarndeutsche Redakteure - ungarndeutsche Filme

Es gibt bestimmt einige unter uns, die das deutschsprachige Fernsehprogramm auf Kanal M1 bzw. M2 manchmal verfolgen. Der Sendetermin ist nicht besonders günstig, aber trotzdem lohnt es sich, die 25 Minuten lange Zusammenstellung anzuschauen oder auf Videokassette aufzunehmen und am Abend einzuschalten. Der Titel ist „Unser Bildschirm” und wird dienstags um 13.30 Uhr auf M1, bzw. samstags gegen 14.30 Uhr auf M2 gesendet. Die drei ungarndeutschen Redaktuerinnen Monika Ambach, Eva Gerner und Marta Stangl haben im Exklusivinterview über ihre Filme im Jahr 2005 gesprochen.

M.S.: Ich habe in Hajosch/ Hajós öfters gedreht, so habe ich dort Maria Schön kennen gelernt. Sie ist -als pensionierte Lehrerin- wieder in ihrem Geburtsort tätig. Dort geht sie ihren Forschungen nach und leitet den Chor, in dem die alten schwäbischen Volkslieder lebendig gehalten bzw. neugelernt werden. Sie hat das Zitat von Thomas Mann verwendet: „Tief ist der Brunnen der Vergangenheit”. Diesen Satz habe ich als Titel meinem Film gegeben, den wir über sie gedreht haben.
L.K.: Was ist die Besonderheit dieses Dorfes im Komitat Bács- Kiskun?
M.S.: Man muss ja wissen, dass in Hajosch wirklich Schwaben leben, und einen seltsamen Dialekt sprechen. Zu den Traditionen des Dorfes gehört auch die Geschichte der Statue der Wundertätigen Madonna, deren Legenden sie auch in Mundart aufgeschrieben hat. Maria Schön erwies sich vor mir als echte Lokalpatriotin, ich wollte sie mit diesem Film als Vorbild für alle Heimatforscher vorstellen.
L.K.: Der Begriff „Malenkij robot” ist auch unter den Ungarn ein bekannter Begriff. Das bedeutet die dunkelsten Seiten der Nachkriegsgeschichte...
E.G.: Ja, mein Film behandelt das Thema der Verschleppung der Deutschen nach dem zweiten Weltkrieg in die sowjetischen Arbeitslager. „Nur eine kleine Arbeit - malenkij robot”- so haben die Sowjetsoldaten die Zehntausende von ungarndeutschen (später auch ungarischen) Männern und Frauen Ende 1944 gesammelt. Man durfte zu diesem Thema jahrzehntelang nichts sagen, und als der politische Wechsel gekommen ist, hatten immer noch wenig Überlebende den Mut ihre Geschichte zu erzählen. Die Arbeit der Forscher ist auch dadurch erschwert, dass die ehemaligen sowjetischen Dokumente kaum zugänglich sind.
L.K.: Ein längerer Film behandelt ungarndeutsche Volksbräuche. Welcher?
E.G.: Wir haben drei ungarndeutsche Volksbräuche aufgenommen, die in einem Dorf namens Görcsönydoboka (Getsching-Duboke) neubelebt worden sind. Dieser Film wurde zu verschiedenen Zeitpunkten gedreht und in der Reihenfolge des christlichen Kalenderjahres diese drei Volksbräuche unter ein Dach gebracht. Der erste ist die Herbergssuche, wo die Heilige Familie auf dem Weg ist. Der zweite heißt Huzzlsunndoach (Hutzelsonntag), im Ungarischen nennt er sich „csonka vasárnap”, also der erste Sonntag der großen Fastenzeit, anders gesagt der Sonntag nach Aschermittwoch. Der dritte ist das Erntedankfest im Sommer nach der Weizenernte.
L.K.: Die Suche der Wurzeln ist ebenso das Thema beim Film über Iklad.
M.A.: Ja, das ist einer meiner Lieblingsfilme. Es handelt sich um ein ungarndeutsches Dorf namens Iklad im Komitat Pest, nicht weit von Aszód. Die hier wohnenden 1-2000 Deutschen und Deutschstämmigen sind evangelisch. Es wird die alte Tracht auch noch getragen, Deutsch wird jedoch kaum mehr geredet: nach dem zweiten Weltkrieg verschwand es schnell aus dem Alltag.
L.K.: Wie schätzen Sie, wie trägt Ihre Serie „Unser Bildschirm” zur Bewahrung der ungarndeutschen Kultur bei?
E.G.: Im Laufe der Zeit -17 Jahre- ist Unser Bildschirm in den ungarndeutschen Ortschaften bekannt und regelmäßig verfolgt. Von den Dokumentardarstellungen fühlen sich die Leute auch angesprochen, sie formen ihre Meinung anhand dieser Reportagen und sie teilen uns das manchmal auch mit.
M.S.: Man darf nicht vergessen, dass dieses Programm ungarisch untertitelt ist, so können es auch die Nicht- Deutsch-Könner verstehen. Sie werden auf diesem Wege über uns -und in anderen Programmen auch über die anderen Nationalitäten in Ungarnregelmäßig informiert.
M.A.: Es gab schon Rückmeldungen, dass da und dort die deutsche Minderheit besser zur Geltung kommt, man beachtet mehr, was sie wünschen oder was sie tun. Nach meinem Film in Iklad wurde ich informiert, dass dort seitdem in der Kirche regelmäßig deutsch gepredigt wird. Das ist aber keine Absicht von uns. Wir möchten nur zeigen, wie das Deutschtum im gegebenen Ort „funktioniert”. L.K.: Wie können Sie die „neuen Ungarndeutschen” einbeziehen? Ich denke jetzt konkret an Ausländer, die schon in großer Zahl ihren Wohnsitz in Ungarn haben.
M.S.: Ich kenne auch viele Leute, die hier sesshaft wurden. Sie kommen auch in unsere ungarndeutschen Dörfer, singen im Chor mit oder fördern einfach mit ihren Mitteln die Kultur und den Sprachunterricht. Sie kommen dann in unser Magazin -ebenso wie vor 3-4 Jahren der Internationale Deutschsprachige Verein Komitat Bács-Kiskun in Kiskunhalas, wo es früher keine deutsche Minderheit gab. Lajos Káposzta